Erzgebirgische Gedichte zur Weihnacht


Nu is es su weit
Mei alter Bargma
Fraat eich fei!
Zen Heilign Obnd

Nun ist es soweit
Mein alter Bergmann
Freut euch ja!
Zum Heiligen Abend

Nu is es su weit

Saht hie, wie dos stöbert,
nu is es su weit:
Der Winter is komme,
nu guckt nä, wie´s schneit!
Es ist erscht November,
dar Winter wärd lang!
De Mutter, die hult gleich
en Schal aus ne Schrank.
Der Dieter, de Karin,
der Hans un der Klaus,
die wärchn mit de Nosen
bal´s Stubnfanster naus.
Die zeign mit de Finger,
zen Himmel dingsnauf,
un batteln: Schnei wetter
un här´net mer auf!
Mrgn giehe mir ruschln
es Dorfbargel nei!
Der Grußvater murmelt:
Uns schneit´s heier ei!
Der Winter, dar macht sich
aus kän ewos draus,
dar lacht bluß un flaadert
de Flocken üms Haus.
Wos wardn wärd, waß kaaner,
när dos ganz bestimmt:
Daß nooch dan Gestöber
aah d´Sonn`wieder kimmt!




Nun ist es soweit

Seht hin, wie das stöbert,
nun ist es soweit:
Der Winter ist kommen,
nun guckt nur, wie es schneit!
Es ist erst November,
der Winter wird lang!
Die Mutter, die holt gleich
den Schal aus den Schrank.
Der Dieter, Die Karin,
der Hans und der Klaus,
die drücken mit den Nasen
bald das Stubenfenster raus.
Die zeigen mit die Finger,
zum Himmel rauf,
und betteln: Schneie weiter
und höre nicht mehr auf!
Morgen gehen wir ruscheln
das Dorfbergl runter!
Der Großvater murmelt:
Uns schneit es dieses Jahr ein!
der Winter, der macht sich
aus keinen was draus,
der lacht bloß und flattert
die Flocken um´s haus.
Was werden wird, weiß keiner,
nur das ganz bestimmt:
Das nach einen Gestöber
auch die Sonne wieder kommt!


Mei alter Bargma

Ofn Fanster nooch der Stroß zu
is mei Barma aufgestellt.
In de Händ zwaa weiße Lichter
frögt er jeden, ob er ne gefällt ...
Doch Leit gieh` hinnewieder,
kaans guckt men schönn Bargma a.
Hobn drham emmende schönn´re ...
ober ich, ich fraa mich dra.
Fufzig Gahr un meh schu stieht er,
kimmt Weihnachten, ofn Fansterstock.
Alt un graa is sei schwarzer Rock.
Ober mir is er es Liebste
von men ganzen vielen Weihnachtszeich;
dä er trögt in sen zwaa Händen
´s schönnste Stückel von men Kinnerreich:
War es doch es Allererschte,
wos mir, in der Wieg noch,wur´ beschert.
Drüm wärd aah der alte Bargma
meh noch wie es neie Zeich geehrt.
Brenne seine weißen Lichter
un ihr Glanz steigt an de Stubndeck nauf
un ich guck in ihr Geflimmer,
steigt mei Labn, mei ganzes, vür mir auf ...




Mein alter Bergmann

Auf dem Fenster zur Straße
ist mein Bergmann aufgestellt.
In den Händen zwei weiße Lichter
fragt er jeden, ob er ihnen gefällt ...
Doch die Leute gehn vorbei,
keiner guckt meinen schönen Bergmann an.
Haben die emmende zu Haus schönere ...
aber ich, ich freu mich daran.
Fünfzig Jahre und mehr schon steht er,
kommt Weihnachten, auf dem Fensterstock.
Alt und grau ist sein schwarzer Rock.
Aber mir ist er es Liebste
von meinen ganzen vielen Weihnachtszeich;
denn er trägt in seinen zwei Händen
´s schönste Stück von meinen Kinderreich:
War es doch das Allererste,
was mir, in der Wiege noch wurd beschert.
Drum wird der alte Bergmann
mehr noch wie das neue Zeug geehrt.
Brennen seine weißen Lichter
und ihr Glanz steigt an der Stubendecke hinauf
und ich guck in ihr Geflimmer,
steigt mein Leben, mein ganzes, vor mir auf ...


Fraat eich fei!

Wie do glizert, wie dos flimmert!
Wie do of de Strß naus schimmert!
Wie dos singt un wie dos lacht!
Wos für Lust un wos für Pracht!

Bargma, Engel,Weihnachtskerzen,
Schwibbugn, Barg un Peremett,
alle lechten´s mitenanner
in de Nacht naus üm de Wett´:

Leit, der Heiland, dar is komme!
Sünd´un Tud sei waggenomme!
Gottes Kinner dürft ihr sei!
Fraaat eich, macht un fraat eich fei!




Freut euch ja!

Wie das glitzert, wie das flimmert!
Wie das auf der Straße raus schimmert!
Wie das singt und wie das lacht!
Was für Lust und was für Pracht!

Bergmann, Engel, Weihnachtskerzen,
Schwibbogen, Berg und Pyramide,
alle haben´s miteinander
in der Nacht raus um die Wett´:

Leute, der Heiland, der ist gekommen!
Sünd und Tod sind weggenommen!
Gottes Kinder dürft ihr sein!
Freut euch, macht und freut euch ja!

Zen Heilign Obnd

Nu is der Heilge Obnd vürbei,
de Lichter löschen sachte aus.
Zen Fanster guckt de Christnacht rei,
un ruhig is´im ganzen Haus.
Mei klaaner Gung liegt drübn im Bett
un lacht im Schlofen vür sich hie.
Er kriegt morgn früh e Peremett,
wu Schof un bargleit drinne stieh.
Emende traamt er schu dervu,
es ka bal gar net annersch sei.
Ach, is dos schie! Ich fraa mich su -
zen Fanster guckt de Christnacht rei!









Zum Heiligen Abend

Nun ist der Heilige Abend vorbei,
die Lichter löschen langsam aus.
Zum Fenster guckt die Christnacht herein,
und ruhig ist es im ganzen Haus.
Mein kleiner Junge liegt drüben im Bett
und lacht im Schlafen vor sich hin.
Er kriegt morgen früh eine Pyramide,
wo Schafe und Bergleute drinnen stehn.
Emende träumt er schon davon,
es kann bald gar nicht anders sein.
Ach, ist das schön! Ich freu mich so -
zum Fenster guckt die Christnacht rein!



Gedichte aus dem Buch "Erzgebirgische Kalendergeschichten" von Karl Hans Pollmer, 1975



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